Maison Mieux-Être (GHdC) : Ein Ort des Wohlbefindens im Herzen von Charleroi
Das Maison Mieux-Être des Grand Hôpital de Charleroi hat sich als Pionierprojekt für die Unterstützung von Onkologiepatienten etabliert. Um hinter die Kulissen dieses Projekts zu blicken, trafen wir Claudia Gaton, Projektleiterin des GHDC und Koordinatorin des Fonds GHDC. Als ehemalige Führungskraft bei Business For Charleroi vollzog sie vor fünf Jahren einen menschlichen Wandel, um den Bau dieses Raumes zu leiten. Zwischen beruflicher Strenge und persönlichem Engagement enthüllt sie uns die Mission und Philosophie dieses einzigartigen Ortes.
Wichtige Eckdaten des Maison Mieux-Être | Zahlen & Details |
|---|---|
Erstmaliger Start | 2016 (Standort Notre-Dame, Zentrum von Charleroi) |
Neubau | Eingeweiht am 14. April 2026 auf dem Standort „Les Viviers“ in Gilly |
Wirtschaftsmodell | Freier und kostenloser Zugang; Workshops zu symbolischen Kosten (2 € bis 4 €) |
Ehrenamtliches Team | 57 täglich engagierte Ehrenamtliche |
1. Vision
Telemis, Marketing-Koordinator bei Telemis: Können Sie uns den Ursprung des Maison Mieux-Être und die Entstehung dieses avantgardistischen Projekts in Charleroi nachzeichnen?
Claudia: „Alles begann um das Jahr 2015. Der Generaldirektor des Grand Hôpital de Charleroi reiste in ein nordisches Land, nach Dänemark, wo er das innovative Konzept der Erholungshäuser entdeckte. Begeistert von diesem ganzheitlichen Pflegeansatz kehrte er zurück und schlug vor, eine ähnliche Initiative innerhalb des GHdC ins Leben zu rufen. Zu dieser Zeit verfügte das Krankenhaus über ein zu renovierendes Gebäude direkt neben unserem Standort Notre-Dame, nahe dem Stadtzentrum von Charleroi und dem Einkaufszentrum Ville 2.
Wir haben quasi auf einem unbeschriebenen Blatt Papier angefangen. 2016 eröffneten wir das allererste Maison Mieux-Être. Wir waren echte Pioniere in Belgien. Obwohl dieses Konzept auch von den im Vereinigten Königreich sehr verbreiteten Maggie's Centers inspiriert war, gab es bei uns damals nur sehr wenige vergleichbare Initiativen. Heute gibt es etwa zehn solcher Einrichtungen in der Wallonie, ebenso viele in Flandern und mehrere in Brüssel.“
Telemis: Warum wurde beschlossen, die ursprüngliche Einrichtung auf den neuen Krankenhausstandort „Les Viviers“ in Gilly zu verlegen?
Claudia: „Vor etwa fünf Jahren leitete das GHdC eine umfassende Umstrukturierung ein, um seine fünf historischen Standorte (Notre-Dame, Sainte-Thérèse, IMTR, Saint-Joseph) in einem einzigen, hochmodernen Krankenhaus in Gilly zusammenzuführen. Es lag auf der Hand, dass das Maison Mieux-Être dieser Dynamik folgen und sich im Herzen des Parks des neuen Standorts niederlassen musste.
Die unmittelbare Nähe zum Krankenhaus ist entscheidend: Die Mehrheit der Patienten besucht unser Haus direkt vor oder nach einer onkologischen Sprechstunde. Zudem können Angehörige und Pflegepersonen sehr leicht unsere Türen durchschreiten. Es galt zu verhindern, dass durch Behandlungen geschwächte Patienten mehrmals umsteigen, wieder einen Bus nehmen oder ihr Fahrzeug nutzen müssen. Die Lage im Park von Les Viviers bietet eine Oase der Ruhe und ist gleichzeitig nur zwei Schritte von den medizinischen Behandlungspfaden entfernt.“

2. Die Säulen des Mieux-Être: Den Menschen über die Krankheit hinaus behandeln
Telemis: Wenn Sie die wesentliche Mission der Erholungshäuser in einem Satz zusammenfassen müssten, wie würde er lauten?
Claudia: „Das grundlegende Ziel besteht darin, sowohl den von der Krankheit betroffenen Menschen als auch ihren pflegenden Angehörigen Momente der Erholung, ein echtes Durchatmen zu bieten, indem man sie aus einem belastenden und manchmal angsteinflößenden Krankenhausumfeld herausholt.
Der onkologische Weg bringt oft stundenlanges Warten in Behandlungsräumen mit sich, eine ständige Konfrontation mit dem Leiden und den Blicken anderer Kranker. Das Maison Mieux-Être ermöglicht es, einen Schritt zur Seite zu machen, aus diesem erdrückenden Kontext herauszutreten und einen Raum des Lebens, des Gesprächs und der Wohlwollen wiederzufinden.“
Telemis: Was sind die Hauptsäulen der Begleitung, die im Haus angeboten werden?
Claudia: „Wir strukturieren unsere Aktivitäten rund um die integrative Medizin, die Körperpflege und seelische Unterstützung verbindet:
- Angepasste körperliche Aktivität: Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen heute, dass regelmäßige körperliche Betätigung das Rückfallrisiko bei bestimmten Krebsarten, wie etwa Brustkrebs, um bis zu 35 % senken kann. Das ist ein bedeutender therapeutischer Hebel.
- Psychologische und mentale Unterstützung: Sophrologie- und Entspannungssitzungen helfen, die Behandlungen besser zu vertragen. Wenn ein Patient psychologisch unterstützt wird, findet er die Kraft, seine Therapie bis zum Ende durchzuziehen, ohne aufzugeben.
- Kreative und handwerkliche Aktivitäten: Kurse in Malerei, Makramee, Papercraft, Origami, Stricken, Nähen oder Floristik. Neben der geistigen Auszeit haben diese Workshops eine sehr konkrete funktionelle Rolle. Chemotherapien führen oft zu peripheren Neuropathien, die ein Kribbeln in den Fingerspitzen verursachen. Die Arbeit an der Feinmotorik hilft, diese Symptome zu bekämpfen.
- Ernährung und Schönheitspflege: Wieder Freude am Essen finden und sich um seine Haut oder das durch die Behandlungen veränderte Erscheinungsbild kümmern.“
Telemis: Ist der Zugang zu diesen Aktivitäten für die Nutzer kostenpflichtig?
Claudia: „Der Zugang zum Haus ist völlig kostenlos. Die Person kann während unserer Öffnungszeiten vorbeikommen, Zeit verbringen, ein Glas Wasser trinken oder sich austauschen, wann immer sie möchte. Für die betreuten Workshops bitten wir um einen symbolischen Beitrag von 2 Euro pro Aktivität bzw. 4 Euro für kreative Workshops (wie Floristik oder Malerei), bei denen die Teilnehmer ihre Kreation mit nach Hause nehmen. Diese Beträge decken natürlich nicht die tatsächlichen Material- oder Betriebskosten, aber sie vermitteln einen Wert des Engagements und bleiben gleichzeitig für alle zugänglich.“
Telemis: Hätten Sie eine Anekdote, die den menschlichen Einfluss dieser Workshops auf den Alltag der Nutzer veranschaulicht?
Claudia: „Vor ein paar Wochen kam eine Patientin zum allerersten Mal zu einem Malworkshop. Sie kam mit bleiernen Füßen an, überzeugt davon, dass sie mit ihren Händen nichts anfangen könne und das Ergebnis katastrophal sein würde. Angesichts der Krankheit scheint manchmal alles zu einem Berg zu werden, selbst die kleinste tägliche Aufgabe.
Unsere Freiwillige empfang sie herzlich und nahm sich die Zeit, ihr die Technik in einer kleinen Gruppe von fünf bis sechs Personen zu erklären. Die Atmosphäre war entspannt, voller Lachen und freundlicher Gespräche. Ein paar Stunden später kam diese Dame mit einem wunderschönen Gemälde heraus, aber vor allem mit einem strahlenden Lächeln und immensem Stolz. Sie war gerührt, dass sie ihre Malerei ihrer Tochter schenken konnte, die sie bei ihrer Prüfung begleitete, und zu erkennen, dass sie immer noch in der Lage war, schöne Dinge zu schaffen. Das sind keine erfundenen Geschichten: Das sind echte Momente menschlicher Magie, die wir jede Woche erleben.“
3. Architektur für Menschlichkeit und Gelassenheit
Telemis: Wie verlief die architektonische Gestaltung dieses neuen Hauses und welche Mängel des alten Gebäudes mussten Sie korrigieren?
Claudia: „Das erste 2016 geschaffene Haus war eine wunderbare Erfahrung, hatte aber schwerwiegende Einschränkungen. Es war ein Gebäude auf drei Etagen, völlig ungeeignet für Menschen mit eingeschränkter Mobilität (PRM). Zudem wurde das Treppensteigen zu den Massage- oder Snoezelen-Entspannungsräumen für Menschen, die durch anstrengende Behandlungen außer Atem oder müde waren, zur Qual. Auch die Akustik war ein Problem: Die Verwaltungsbüros grenzten an die Behandlungsräume, und der Lärm von Telefonen störte die Entspannungsmomente.
Für das neue Haus haben wir bei Null angefangen. Wir haben große Brainstormings mit Onkologen, Krankenschwestern, Freiwilligen und Patienten organisiert, um das ‚ideale Maison Mieux-Être‘ zu entwerfen. Das Architekturbüro Goffart & Polomé leistete außergewöhnliche Arbeit, indem es unsere tiefen Bedürfnisse verinnerlichte.“
Telemis: Sie haben übrigens eine einzigartige Anekdote zur Auswahl des Architekturprojekts.
Claudia: Absolut! Bei der Auswahljury hatten wir vier Projekte im Wettbewerb. Wir bestanden darauf, einen Freiwilligen und einen Patienten in die Jury aufzunehmen. Eines der Projekte war visuell großartig: eine Art sehr abgerundetes ‚Hobbit-Haus‘, halb im Park vergraben mit großen Erkern und üppiger Vegetation. Ästhetisch waren die meisten von uns begeistert.
Da ergriff die Patientin in der Jury das Wort und sagte: „Oh nein, das könnt ihr nicht wählen! Ich hätte das Gefühl, schon vorzeitig begraben zu sein, als wäre ich bereits tot, wenn ich da hineingehen müsste!“
Das war ein Klick-Moment. Dies beweist, wie unerlässlich die Anwesenheit der direkt Betroffenen in einem solchen Prozess ist. Wir brauchten einen Ort, der konsequent auf Licht und Leben ausgerichtet ist.
Telemis: Was sind die konkreten Merkmale dieser Architektur, die auf Wohlbefinden ausgelegt ist?
Claudia: „Das Gebäude integriert grundlegende symbolische und ergonomische Elemente:
- Der Übergangssteg: Der Übergang zwischen Krankenhaus und Haus erfolgt über einen speziellen Steg. Er markiert einen physischen und mentalen Bruch, der es dem Patienten ermöglicht, klinische Gerüche, Lärm und Stress des Krankenhausumfelds hinter sich zu lassen.
- Die automatische Tür: Im Gegensatz zur schweren Holztür des alten Hauses haben wir eine automatische Tür installiert. Viele Patienten vertrauen uns an, dass es am schwierigsten ist, die körperliche Geste des ‚Tür-Aufdrückens‘ zu machen, um Hilfe zu suchen. Hier öffnet sich die Tür von selbst, um den Besucher zu empfangen, ohne dass er Anstrengungen unternehmen muss.
- Der doppelte Kreislauf: Die Reaktionen auf die Krankheit sind sehr unterschiedlich. Manche Menschen haben das Bedürfnis, sich anzuvertrauen, während andere absolute Diskretion bevorzugen. Gleich am Eingang führt ein Flur rechts direkt zu den individuellen Behandlungs- und Massageräumen, sodass man eine Behandlung erhalten kann, ohne jemandem zu begegnen. Umgekehrt gelangt man geradeaus in einen großen offenen Salon und eine riesige Küche mit zentraler Insel, die Austausch, Diskussion und Geselligkeit fördert.“

4. Solidarität, Mäzenatentum und ehrenamtliches Engagement
Telemis: Das Maison Mieux-Être erwirtschaftet keinen Gewinn. Wie gelingt es Ihnen, den täglichen Betrieb sicherzustellen?
Claudia : „Unser Modell stützt sich auf zwei untrennbare Säulen: die finanzielle Großzügigkeit unserer Partner und das großartige Engagement unserer Freiwilligen.
Heute haben wir das Glück, auf 57 aktive Freiwillige zählen zu können. Sie empfangen die Patienten, führen durch die Räumlichkeiten, bereiten Tassen Tee zu oder leiten die Workshops. Ohne ihre Energie, ihre Güte und ihre kostbare Zeit könnte das Haus schlichtweg nicht funktionieren.
Auf finanzieller Ebene ist die Unterstützung durch Privatunternehmen wie Telemis von entscheidender Bedeutung. Telemis engagiert sich an unserer Seite, um uns die Mittel zu geben, den Patienten eine qualitativ hochwertige Betreuung zu bieten. Wir erhalten auch Spenden von Privatpersonen über unsere Website, durch Unternehmensinitiativen (wie den Verkauf von Solidar-Pfannkuchen), testamentarische Vermächtnisse oder Spenden, die bei Beerdigungen anstelle von Blumen und Kränzen gesammelt werden.“

Aktion | Details |
|---|---|
Freiwilliger werden | Begleitung, Empfang oder Leitung von Workshops. |
Spenden | Einmalig oder regelmäßig über den Reiter „Uns unterstützen“. |
Unternehmensaktionen | Organisation interner Solidaritätsveranstaltungen. |
Vermächtnisse und Mäzenatentum | Weitergeben oder direkte Finanzierung unserer Projekte. |
5. Zukünftige Ambitionen und gesellschaftliche Auswirkungen
Telemis : Was sind Ihre mittel- und langfristigen Ziele für die Entwicklung der Struktur?
Claudia : „Wir möchten einen viel größeren Teil der von Krebs betroffenen Menschen erreichen. Derzeit begleiten wir etwa 10 % der 2.104 Patienten, die jedes Jahr im GHdC diagnostiziert werden (das sind etwa 210 Personen). Zum Vergleich: Die britischen Maggie's Centers erreichen fast 40 % der Patienten der Partnerkrankenhäuser.
Die Dynamik ist äußerst ermutigend: Bereits im ersten Monat der Einweihung im April haben wir 30 neue Patienten und 20 zusätzliche pflegende Angehörige registriert. Sollte sich die Besucherzahl verdoppeln oder verdreifachen, haben wir die Nachfrage antizipiert: Die architektonische Struktur wurde so dimensioniert, dass sie den Bau einer zusätzlichen Etage aufnehmen kann, ohne unsere Aktivitäten dauerhaft zu unterbrechen.“
Telemis: Welche Botschaft möchten Sie an die öffentlichen Behörden und die Welt des Gesundheitswesens richten?
Claudia: „Wir hoffen sehr auf ein gesteigertes Bewusstsein der öffentlichen Behörden und der Sozialversicherung für den grundlegenden medizinisch-sozialen Nutzen von Erholungshäusern.“
Die Gleichung ist von unerbittlicher Logik: Die Stärkung der Moral der Patienten, sie zu körperlicher Aktivität anzuregen und ihren Lebensstil zu verbessern, senkt die Rückfallquote, fördert die Einhaltung der onkologischen Behandlungen und reduziert langfristig die globalen Gesundheitskosten. In das Wohlbefinden und die Erholung der Patienten zu investieren, ist ein bedeutender Gewinn für die gesamte Gesellschaft. In Erwartung einer vollständigen institutionellen Anerkennung setzen wir unsere Mission dank des Herzens unserer Freiwilligen und der Treue unserer Partner fort.“

Zusammenfassend lässt sich sagen: Das Maison Mieux-Être ist weit mehr als nur ein Gebäude – es ist ein Ökosystem der Solidarität, in dem medizinische Versorgung auf das Menschliche trifft. Sein Fortbestand beruht auf einem wertvollen Gleichgewicht zwischen dem Engagement der Freiwilligen und der Großzügigkeit seiner Partner. Das Vertrauen, das wir mit Akteuren wie Telemis aufgebaut haben, veranschaulicht diesen gemeinsamen Willen: Jenseits der finanziellen Unterstützung ist es die Präsenz vor Ort und ein gemeinsames Engagement, die es ermöglichen, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, dass sich der Behandlungsweg verändert, wenn Wohlwollen auf gemeinsame Werte trifft. Es ist mehr als nur ein Ort der Pflege – es ist ein wesentlicher Raum für Begleitung, der seine volle Bedeutung entfaltet, wenn die Medizin an ihre Grenzen stößt, und der Patienten sowie ihren Angehörigen unter allen Umständen eine wertvolle Präsenz und Unterstützung bietet.
Kontakt zum Maison Mieux-Être :
https://www.ghdc.be/maison-mieux-etre
060/11.83.93
2, rue du Campus des Viviers
6060 Gilly

